Auf dem Tisch stand ein Teller mit frisch gebackenen Keksen – noch warm, leicht angebrannt am Rand, aber duftend nach Vanille. Daneben lag Sofias Lieblingsbuch, halb offen, und eine kleine Tasse mit Milch, aus der jemand offensichtlich getrunken hatte.
Alexander atmete tief durch.
So fühlte sich also Zuhause an.
Nicht perfekt. Nicht makellos. Aber lebendig.
„Papa, bleibst du heute hier?“, fragte Sofia und sah ihn mit diesen großen, blauen Augen an, die so sehr an ihre Mutter erinnerten.
Er nickte langsam.
„Ja, meine Kleine. Heute bleibe ich.“
Katja stand noch immer unsicher neben dem Sofa, die Decke in den Händen.
„Ich wusste nicht, dass Sie zurückkommen, Herr Gromow“, sagte sie leise.
„Ich auch nicht“, antwortete er und versuchte zu lächeln. „Aber es war wohl höchste Zeit.“
Er setzte sich auf das Sofa, und die Kinder kletterten sofort zu ihm.
Nikita begann, aufgeregt zu erzählen – von seinem „Ritterturnier“, von Sofias Krone aus Papier, vom „furchtbaren Drachen Katja“, der aber am Ende „eigentlich ganz nett“ war.
Alexander hörte zu, wirklich zu. Nicht mit halbem Ohr, wie sonst.
Zum ersten Mal seit Ewigkeiten spürte er, dass er etwas verpasst hatte – etwas, das kein Geschäft, kein Erfolg, kein Kontoauszug der Welt ersetzen konnte.
Katja sammelte schweigend die verstreuten Spielsachen ein.
„Setzen Sie sich, Katja“, sagte Alexander plötzlich.
Sie erstarrte. „Wie bitte?“
„Setzen Sie sich. Ich beiße nicht.“
Er grinste, und sie lächelte zaghaft, bevor sie sich auf den Rand des Sessels setzte.
Eine Weile redeten sie einfach – über nichts Besonderes. Über Kekse, Schnee, über Nikitas Schule.
Die Uhr schlug zehn. Draußen fiel weiter leise der Schnee, und drinnen wurde es stiller.
Sofia war auf Alexanders Schoß eingeschlafen, der kleine Kopf an seiner Schulter. Nikita kämpfte tapfer gegen den Schlaf, verlor aber schließlich auch.
Alexander sah Katja an.
„Sie haben ihnen etwas zurückgegeben, das ich verloren habe“, sagte er leise.
„Ich?“, sie schüttelte den Kopf. „Ich hab nur mit ihnen gespielt.“
„Genau das“, antwortete er. „Das habe ich vergessen zu tun.“
Ein Moment der Stille. Nur das Ticken der Uhr.
Dann lächelte Katja – zum ersten Mal richtig.
„Sie sollten öfter früher von Geschäftsreisen zurückkommen“, meinte sie leise.
Er lachte leise. „Vielleicht bleibe ich einfach hier.“
Er trug die Kinder in ihre Zimmer, deckte sie zu, blieb einen Augenblick neben ihren Betten stehen.
Wie klein sie aussahen. Wie friedlich.
Als er zurückkam, war Katja schon dabei, die Tassen wegzuräumen.
„Lassen Sie das“, sagte er. „Ich mache das morgen.“
Sie sah ihn überrascht an.
„Gute Nacht, Herr Gromow.“
Er nickte. „Gute Nacht, Katja. Und… danke.“
Als die Tür hinter ihr leise zufiel, setzte er sich wieder auf das Sofa.
Draußen glitzerte der Schnee im Licht der Veranda.
Zum ersten Mal seit Jahren war das Haus nicht leer – es war voll von Wärme, Lachen, und etwas, das er fast vergessen hatte:
Zuhause.
