Im Traum versuchte ich, ihr in ihrer Sprache zu antworten. Völliges Scheitern. Ich sagte ein Wort, und sie lachte – nicht über mich, sondern mit mir. Das war wichtig.
Ich wachte auf und mir wurde etwas klar: Jede Generation spricht die Sprache ihrer Zeit – und das ist kein Problem, sondern ein Überlebenscode. Meine Tochter will mir das Leben nicht absichtlich verkomplizieren, wenn sie sagt: „Die Stimmung war verrückt.“ Sie lebt einfach intensiver, als sie es in einem klassischen Satz ausdrücken kann. Oder vielleicht habe ich zu viel in der Stille gelauscht – in diesen Pausen, in denen die Worte fehlten, aber das Verständnis da war.
Eine kleine Ironie: Ich habe mir ein Slangwörterbuch heruntergeladen. Drei Zeilen gelesen. Die App geschlossen. Denn Worte sind unwichtig – wichtig ist die Nähe zueinander, auch wenn man nicht alles versteht. Als wir mit der Decke und kaltem Kaffee im Dunkeln saßen, spürte ich plötzlich: Es ist nicht unsere Sprache, die uns trennt, sondern die Angst, ignoriert zu werden. Und umgekehrt – was uns verbindet, ist der Wunsch, trotz allem verstanden zu werden. Elena, meine Frau, sagte immer: „Wenn du liebst, dann übersetze.“ Nicht Worte. Absichten.
**Sag mal: Wann hast du das letzte Mal von jemandem aus deinem Umfeld etwas gehört, das dich verwirrt hat – und anstatt ihn zu verurteilen, hast du einfach gelächelt und um eine Erklärung gebeten?**
